Wartezimmertür

Folgende Situation löste neulich einen äußerst unangenehmen inneren Konflikt in mir aus:

Eine junge Dame kam in das Wartezimmer eines Zahnarztes, in welchem ich zuvor alleine saß und ließ die Tür hierbei unverschlossen. Dazu sei gesagt, dass ich zuvor versuchte das Fenster aufgrund draußen herrschender Kälte zu schließen, welches jedoch klemmte. Nun entstand also ein äußerst unangenehmer kühler Luftzug, dessen Unterbindung mir jedoch aus folgenden Gründen schwer fiel.

Besagte Dame schien sich des Problems nicht Bewusst zu sein und saß seelenruhig im potentiell Lungenentzündungen hervorrufenden Luftstrom, wie in einem Strandkorb und las eine Zeitschrift. Sowohl Sie darauf aufmerksam zu machen und zu bitten die Tür zu schließen erschien mir, obwohl Sie sie ja offen gelassen hatte und zudem auch näher dransaß, genauso unangenehmen, wie selbst aufzustehen und mein – und offensichtlich nur mein – Problem zu eliminieren.

Beides hat etwas Verurteilendes und lässt im Subtext mitschwingen, dass ja offensichtlich ein Fehler der Dame sei, die Tür nicht direkt beim Eintreten hinter sich zu schließen. Auf der anderen Seite sah ich dies ja auch genauso, war mir aber bewusst, dass ich mindestens unsympathisch wirken würde.

Nun galt es also das kleinere Übel zu wählen und da mir beides unangenehmen war, bat ich selbstverständlich die junge Frau noch einmal aufzustehen und die Tür zu schließen. Wenn ich mich schon aus unerklärlichen und irrationalen Gründen unwohl fühlen musste, gibt es keinen Grund nicht den für mich selbst einfacheren Weg einzuschlagen.

Selbstverständlich ist es oberstes Gebot, dieses Unwohlsein in der Situation nicht nach außen zu tragen. Wenn schon unsympathisch, dann richtig unsympathisch.